Zigeunerschitzel und " Sinti und Roma"

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Zigeunerschitzel und " Sinti und Roma"

Beitrag von Lallaru Tschawu am Di Okt 01, 2013 6:42 pm

Zum Thread auf Zigeuner.de...

Hallo zusammen,

zu “Zigeunersoßen/Zigeunerschnitzeln ” und ähnlich wichtigen Dingen des Gastronomiegewerbes oder täglichen Lebens möchte ich mich hier nicht äußern und bitte dafür um euer Verständnis. Für mich geht es auch nicht darum ob wir weiter unter den Bezeichnungen "ZIGEUNER oder SINTI UND ROMA" ausgegrenzt werden, oder welcher Verein uns Sinti zukünftig als Dachverband nach Außen vertreten wird oder nicht, sondern das es in der Medienberichterstattung ständig heißt: Unter den Zuwanderern sind viele Angehörige der Volksgruppe der Sinti und Roma, den sie werden in ihren Heimatländern diskriminiert.  Bei der entsprechenden Berichterstattung wird überwiegend nicht zwischen Sinti und Roma unterschieden, und darum geht es mir. Wen es in Zeitungsmeldungen heißt: „Viele Rumänen und Bulgaren, vor allem Sinti und Roma, machen sich daher bei der Ankunft in Deutschland selbstständig. Schlepper füllen für sie die nötigen Papiere aus und lassen sich diese Hilfe im Einzelfall mit bis zu 1500€ gut bezahlen„ hat dies nichts mit Sinti zu tun. Wen es weiter heißt: „Das Wohnungen an Asylbewerber in Deutschland überteuert untervermietet werden, oder Roma und Sinti im Rotlichtmilieu arbeiten“ hat dies nichts mit Sinti zu tun. Wen in bestimmten Artikeln zu lesen ist:  „Das sich Roma Clan-Chefs aus Rumänien und Bulgarien mit Hilfe gut organisierter Schlepperbanden am Geschäft mit der Armut bereichern, und dabei kräftig an Sinti und Roma  verdienen, oder Roma in einigen osteuropäischen Ländern bedauernswerterweise am Rande von Müllkippen leben“ hat dies nichts mit Sinti zu tun. Unser Volk (Sinti) wird ständig von Presse Rundfunk und Politik ursächlich für Probleme mitverantwortlich gemacht mit denen es so wenig zu tun hat wie Schweizer Österreicher oder Briten, und dabei wäre Aufklärung nicht schwierig. Hier der kurze Versuch einer Zusammenfassung...

Auf Spurensuche nach einem ungeliebten Volk

Die Sinti oder Roma Europas unterscheiden sich heute stark von einander. Sinti wurden in Deutschland erstmals im Jahre 1407 (Hildesheim) erwähnt. Roma oder Sinti sprechen verschiedene Sprachen, haben unterschiedliche Kultur und Lebensweise. Die im mitteleuropäischen Sprachraum als Sinti bezeichnete Volksgruppe (Deutschland/Österreich/Frankreich/Norditalien/Tschechische Republik/ Slowakei/ Slowenien/ Benelux-Staaten) unterliegt kulturell begründeten Geboten und Verboten, die den Ost/Südosteuropäischen Roma fremd sind. Für Roma gelten andere kulturelle Vorschriften und Gebote. Auch das Verhältnis zur Sprachpflege ist unterschiedlich.Während bestimmte Romagruppen staatlichen Unterricht in ihrer Sprache akzeptieren, würde dies für Sinti einen Bruch mit ihrer Tradition und überlieferten Gesetzen bedeuten.Im Jahre 1978 beschloss der 2. Welt-Roma-Kongress in Genf ROMA als Nachfolgebezeichnung von "Gypsy oder Zigeuner" und ignorierte damit über Jahrhunderte gewachsene Strukturen und eigenständige Identität der Sinti Mitteleuropas.Im politischen Feld und der Medienberichterstattung ist es deshalb notwendig zu verdeutlichen, dass der Begriff „Sinti und Roma“ keine gemeinsame Minderheit darstellt. Sinti verstehen sich nicht als Untergruppe der Roma, sondern als völlig eigenständiges Volk das trotz Widrigster Umstände Verfolgung und Assimilationsdruck der europäischen Mehrheitsbevölkerung seine eigene Sprache, entsprechende Kultur und Geschichte bis in unsere Zeit bewahren konnte. Sinti werden in Mitteleuropa geboren,und besitzen die Staatsangehörigkeit entsprechender Staaten Mitteleuropas, mit den gleichen Rechten und Pflichten die auch für andere Staatsbürger der genannten Länder gültig und verbindlich sind.



Weshalb sind solche oder ähnliche Zeilen nicht auf der Homepage des Zentralrates deutscher Sinti und Roma zu lesen? Information wäre ja unter anderem auch die Aufgabe einer Organisation, die nach eigenen Angaben auch die Sinti dieses Landes nach Außen vertritt. Bisher erfolgt diese Information lediglich ansatzweise, wen überhaupt. Sinti möchten keine Sonderrolle in dem wir andere Menschen ab und unser Volk aufwerten , sondern als normaler Teil der Gesellschaft wahrgenommen und akzeptiert werden. Wen sich Romani Rose um Zivilgesellschaftliches Engagement bemüht, heißt dies für mich das man die Gesellschaft auch entsprechend über Unterschiede in Lebensweise Kultur und Sprache von Roma oder Sinti informiert. Eine Volksgruppe „Sinti und Roma“ gibt es nicht, hat auch in früheren Zeiten niemals existiert. Die überwiegende Mehrzahl der hier in diesem Lande lebenden Sinti sind gut in die Gesellschaft integriert. Viele Sinti engagieren sich ehrenamtlich in Sportvereinen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist auch die Mannschaft der deutschen Sinti. Bundespräsident Gauck auch unser Bundespräsident. Unsere Väter und Großväter haben in der kaiserlichen Armee und Wehrmacht (bis 1942) für Deutschland gekämpft, trotzdem wurden im Nationalsozialismus viele Sinti in KZs und Arbeitslagern als „Zigeuner„ ermordet. Nach dem Krieg ging die Verfolgung und Diskriminierung Jahrzehntelang weiter. Durch die Arbeit des Zentralrates erfolgte langsam ein Umdenken in der Gesellschaft. Jetzt werden diese kleinen oder auch größeren Erfolge durch eine Medienberichterstattung torpediert die unter dem Begriff Sinti u.Roma vermischt, was seit Jahrhunderten getrennte Wege geht. Wen unserem Volk als „Sinti und Roma“ ständig von Presse und Rundfunk Mitverantwortung für bestimmte Probleme osteuropäischer Armutsflüchtlinge in die Schuhe geschoben werden können, werden Sinti weiter den Kopf für etwas hinhalten müssen mit dem sie ebensowenig zu tun haben wie Otto Normalverbraucher von Nebenan.

Lallaru Tschawu
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